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Von einer gefangenen Gräfin und Vulkanen in Sachsen

Stolpen_Familientipp Sachsen

Es war einmal eine Gräfin, die lebte in einer Burg auf einem großen Basaltberg in Sachsen. So oder so ähnlich hätte ihr Märchen beginnen können. Aber als die Gräfin auf die Burg Stolpen kam war sie schon in Ungnade gefallen und für ihr Märchen gab es kein Happy End. Wir hätten sie gern befreit, die arme Gräfin Cosel, die den größten Teil ihres Lebens auf der Burg Stolpen gefangen war. Aber wir kommen gut 300 Jahre zu spät. 1716 wurde sie unter Hausarrest gestellt, eine nette Umschreibung für ihre 49 Jahre dauernde Gefangenschaft.

Stolpen_Familientipp Sachsen

Stolpen_Familientipp Sachsen

Doch wie kam es dazu? Anna Constantia Reichsgräfin von Cosel lebte sieben Jahre als Mätresse an der Seite August des Starken. Sie hatten drei gemeinsame Kinder und setzten einen geheimen Vertrag auf, der sie zur „Nebenkönigin“ machte. Sie bewohnte das Taschenbergpalais in Dresden und wurde in den Reichsgrafenstand erhoben. Die charismatische und schöne Frau war eine Art Popstar unter den Mätressen. Sie hatte Einfluss wie keine andere und mischte sich in das politische und gesellschaftliche Leben ein. Als sie zu unbequem wurde, brachte man sie auf die Burg Stolpen, wo sie bis zu ihrem Tod blieb (bleiben mußte). Im Johannisturm (Coselturm) sind ihre Wohnräume zu besichtigen.

Burg Stolpen_Küche Gräfin Cosel Wohnraum Gräfin Cosel auf Burg Stolpen Wohnraum Gräfin Cosel auf Burg Stolpen

Sie wurde in der Burgkapelle beigesetzt und noch heute liegen Blumen an ihrem Grab.

Burg Stolpen_Gräfin Cosel

Die Geschichte der Gräfin Cosel hat uns alle mächtig beeindruckt, aber nun wollen wir der ollen Burg mal nicht Unrecht tun, das gesamt Burggelände ist sehenswert. Ein Besuch beim Schloßgespenst war gar nicht gruselig, dafür die Verliese und das Hungerloch. So viele Türme wie hier sind wir schon lange nicht mehr hoch- und runtergeklettert, aber für die Aussicht hat es sich gelohnt.

Stolpen_Familientipp SachsenFamilientipp Sachsen_Burg Stolpen

Einst kurfürstliches Schloss und bischöfliche Residenz gehört die Burg Stolpen mit 800 Jahren Geschichte auf dem Buckel zu den bedeutendsten Bauten des Sachsenlandes.

Burg Stolpen_FamilienausflugBurg Stolpen

 

Burg Stolpen_Familientipp SachsenBurg Stolpen

Und nicht nur das, vor über 25 Millionen Jahren brach hier ein Vulkan aus, der zu einer ganzen Vulkankette gehörte. Aus der abkühlenden Lava entstand der einzigartige Säulenbasalt. Meine Geologiekenntnisse sind eher bescheiden, da war ich ganz froh, dass im Burgkeller die Entstehungsgeschichte des Basalts genau erklärt wird. Um die Wasserversorgung der Burg sicher zu stellen, wure in den Basalt ein Brunnen gebaut, der mit seinen 84 m heute der weltweit tiefste seiner Art ist. Mehr zum Thema findet Ihr auf den Seiten der Burg Stolpen.

Säulen_Basalt_Burg Stolpen

Der Ort Stolpen liegt ca. 25 km östlich von Dresden und ist ein guter Ausgangspunkt für Ausflüge nach Dresden und Wanderungen in der Sächsische Schweiz. Sehenswert sind der kleine Marktplatz und die Postdistanzsäule, die die Reisezeit mit der Postkutsche anzeigt. Beides liegt unterhalb der Burg. Weitere Infos gibt es unter www.stolpen.de.

Stolpen_Familientipp Sachsen


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6 Kommentare

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  2. Horst Otto sagt

    Hallo, ich bin es noch mal.
    Diese tolle Seite, mit der Gräfin und der Burg, fordert regelrecht dazu auf einige Episoden aus dem Burgleben, die nicht allgemein bekannt sind, aufzuzeigen.

    Zunächst lebte die Gräfin von 1716 – 1744 in den Räumen des Zeughauses.
    In der Nacht zum 2. Juli 1743 schlug zweimal kurz hintereinander der Blitz in die Burg ein. In dem Zimmer der Gräfin richtete er großen Schaden an. Gestapeltes Ofenholz brannte, Sand rieselte von den Decken und es roch überall nach Schwefel. Nachdem Monate später noch ein eiserner Ofen einstürzte und die Gräfin am linken Bein verletzte, wurde allen Verantwortlichen klar, dass eine Umquartierung notwendig wird.
    Das neue Domizil musste erst noch hergerichtet werden. Kommandant Boblick sorgte für die Entfernung der Geschütze und baute die Schießluken im ersten und dritten Stock zu Fenstern um.
    Im Frühsommer 1744 bezieht die Gräfin dann den Johannisturm, der im Volksmund auch Coselturm genannt wird.

  3. Horst Otto sagt

    Hallo, Sie haben eine wunderschöne Seite!
    Auch ich hätte die Gräfin gerne befreit. Denn ihr ist in vielen Dingen Unrecht geschehen. Das begann schon mit der Heirat durch diesen unseligen Hoym. Mit brutalen Mitteln wollte er an einer Ehe festhalten, obwohl im gleichen Haus eine langjährige Geliebte lebte.
    Während die Beischlafverweigerung der Hoym zum Ansehensverlust und dem Ausschluss aus der ehrbaren Gesellschaft hätte führen können, war der Seitensprung Hoyms kein hinreichender Scheidungsgrund. Auf bitten seiner Frau reichte Hoym beim Oberkonsistorium am 22.01.1705 die Scheidung ein. Das Konsistorium unterstand der Gerichtsbarkeit der Kirche, die noch nicht den Eingang in die Aufklärung gefunden hatte.
    „Das Konsortium, sagte der Vorsitzende, müsse nach Gottes Wort richten und die Antipathie reiche nicht aus, um Gottes Ordnung zu brechen!“

    Der Schlüssel zur Klärung der Frage, warum die Gräfin über den Tod der beiden Könige August II. und III. auf Stolpen in Verwahrung blieb, liegt nicht im Temperament der Gräfin, sondern in der fragwürdigen Personalunion mit Polen. Das polnische Abenteuer kam die Sachsen teuer zu stehen. Aus der sächsischen Staatskasse flossen Unsummen an Bestechungsgelder an den polnischen Adel.
    Auch der Glaubenswechsel, der nur aus machtpolitischem Kalkül geschehen war, entfremdete die Landesherren von ihren protestantischen Untertanen.
    Dies hatte die Gräfin alles voraus gesehen. Sie hatte August immer wieder damit konfrontiert. Das „Polnische Abenteuer“ ließ es nicht zu, die Gräfin aus der Isolation zu befreien. August III. machte die Handlungen und Briefwechsel bis 1756 zur Chefsache.
    Wiederholt bat sie den König um ihre Freilassung. Aber er ließ es nicht zu. Er glaubte allen Ernstes,
    dass die alte Mätresse, an die sich kaum noch jemand erinnerte, ihm immer noch schaden könnte.
    1756 fragte Liebenau, der neue Bewacher der Burg den König, wie es mit der Cosel weiter gehen sollte. Der Hof antwortete nie mehr.
    Danach verlor er auf Grund der machtpolitischen Verhältnisse (Beginn des 7-jährigen Krieges) jegliches Interesse an der Gräfin. Nicht mal mehr für eine Schlussentscheidung war er in der Lage. So war schließlich das Amt von Stolpen für die Gräfin zuständig.
    Horst Otto

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