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Merhaba Marrakesch und wie ich eine Touristin vor dem Gefängnis bewahrte

Marrakesch Reisetipps mit Kind

Ich stehe auf dem Djemaa el-Fna in Marrakesh. Der Platz ist voll mit Schlangenbeschwörern, Affendompteuren, Geschichtenerzählern, Tänzern und selbst ernannten Zahnärzten. Jetzt fehlt nur noch der kleine Muck auf seinem fliegenden Teppich oder ein Flaschengeist, der mich nach drei Wünschen fragt. 

Es ist unser erster Tag in Marrakesch und wir beginnen ihn im Herzen der Stadt – auf dem Djemaa el-Fna.

Der Platz Djemaa el-Fna in Marrakesch

Er ist der zentrale Platz Marrakeschs, am Djemaa el-Fna, dem Platz der Geköpften, laufen alle Fäden zusammen. Wahrscheinlich stranden alle Neuankömmlinge zuerst hier.

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Wir werden überall freundlich begrüßt: Merhaba/Welcome to Marrakesch. Vermutlich strahlen wir noch eine gewisse Orientierungslosigkeit aus. Orte und Preise werden uns zugerufen, Taschentücher und Wasserflaschen zum Verkauf angeboten. Die Kaleschenfahrer vertrösten wir mit vielleicht morgen, bis wir endlich mitten auf dem Platz stehen.

Es ist wie im Märchen, nur besser, denn wir sind mittendrin. Ich kann 1001 Nacht sehen, hören, riechen. Wir sehen uns in Ruhe um und versuchen den Schlangenbeschwörern auszuweichen, die uns dauernd so ein Schlangenteil um den Hals hängen wollen. Die Affendompteure locken die Kinder, aber sie bleiben standhaft und an unserer Hand. Natürlich schießen wir das eine oder andere Foto und zahlen ein paar Dirham, so läuft das Geschäft. Für den ersten Tag sind das viele Eindrücke auf einmal. Zeit für eine Pause.

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Auf dem Weg zum Café bin ich zu langsam. Eine der vielen Henna-Künstlerinnen hat meine Hand erwischt und schon ist Farbe drauf. Sie spritzt sich etwas Farbe in den Mund, um mir zu zeigen, dass alles öko-biomäßig ok und keine Chemie drin ist. Und so kriegen wir Mädels unsere erste Henna-Bemalung, wenn auch unfreiwillig. Später habe ich festgestellt, dass es von Vorteil ist, gleich am ersten Tag verziert zu werden. Auf alle weiteren Henna-Angebote brauchen wir nur noch unsere Hand zu zeigen und werden in Ruhe gelassen.

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Warten auf Kundschaft, Henna-Künstlerinnen

Rund um den Djemaa el-Fna gibt es viele Cafés mit Dachterrassen. Hier können wir den Trubel entspannt von oben beobachten. Wir bestellen unseren ersten Minztee. Zur Freude der Viermal Fernweh-Kinder steht der Löffel im Zucker.

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„Oh mein Gott. Wie kann ich Ihnen jemals danken?“

Irgendwann muss ich mal Hände waschen und Nase pudern. Die Örtlichkeiten sind relativ sauber, aber auf dem Boden liegt etwas Undefinierbares. Intuitiv schaue ich genauer hin, da glänzt doch was. Auch ohne Brille und im Halbdunkel sehe ich, dass es nicht das ist, wofür ich es hielt. Es ist eine hauchdünne weiße Gürteltasche, so flach wie ein Taschentuch. Was da glänzt, ist ein goldenes Wappen.

Ich schaue rein, finde einen Pass und einen Stapel Dirham-Scheine. Schnell stürze ich aus der Kabine und suche die Besitzerin. Ich finde sie und reiche Ihr die Tasche. Sie guckt mich ungläubig an und kurz scheint es, als würde sie ihn Ohnmacht fallen. Dann findet sie ihre Sprache wieder. Mit weit aufgerissenen Augen schaut sie abwechselnd auf mich und die Tasche. „Oh mein Gott. Wie kann ich Ihnen danken? Ich komme aus Israel. Wenn ich meinen Pass verliere, dann lande ich im Gefängnis.“ Wir tauschen noch ein paar Nettigkeiten aus und sie befestigt ihre Tasche wieder mit einer Sicherheitsnadel an der Innenseite ihrer Hose. Ich weiß nicht, ob es stimmt, was sie sagt, ob Israelis tatsächlich im Gefängnis landen. Aber sie sah entsprechend geschockt aus.

Zurück auf der Terrasse, sehen wir zu, wie der Platz sich langsam verändert und die Stände für den Nachtmarkt aufgebaut werden. Noch sind wir nicht hungrig und begeben uns ins nächste Getümmel, orientalisches Shopping-Vergnügen in den Souks.

Die Souks von Marrakesch

Wie ein riesiges Höhlensystem ziehen sich die Souks durch den nördlichen Teil der Medina. Wir versuchen erst gar nicht, uns zu orientieren. Der Markt verschluckt uns tiefer und tiefer. Wir lassen uns durch die schmalen Gassen treiben. Es gibt so viel zu sehen: Gewürze, Silber, Pantoffeln, Lampen, Kräuter, bunte Teppiche. Meine Augen sind überfordert, gleichzeitig ist es ein sinnliches Erlebnis.

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Der Nachtmarkt von Marrakesch

Mit dem Sonnenuntergang verändert der Platz sein Gesicht. Die Schlangenbeschwörer weichen Feuerspuckern, Geschichtenerzählern, Akrobaten und Travestietänzern. Es wird lauter und voller.

Vom Nachtmarkt steigt der Qualm über dem Platz auf. In den Garküchen wird gekocht, gegrillt und gebrutzelt. Die Angebote und Preise an den Ständen sind ziemlich identisch. Wir entscheiden uns für Tajine und Brochette, zwei Klassiker der marokkanischen Küche.

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Die Teller sind leer, der Minztee ausgetrunken. Ich schaue in eine der leeren Flaschen, ob nicht doch ein Dschinn drin ist. Ich hätte da einen Wunsch. Ganz schnell in mein Bett beamen oder den kleinen Muck mit seinem fliegenden Teppich rufen. Doch am Himmel sind nur die Rauchschwaden der Garküchen zu sehen.


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23 Kommentare

  1. Susanne sagt

    Schöner Bericht! Wir reisen im April nach Marrakesch (4 Tage und danach mit dem Mietwagen an die Küste Regio essauira) …meine Kinder sind 3 und 9. Regelmäßig überkommt mich nun doch ein wenig Panik ob es das richtige Ziel mit einem 3 jährigen ist😬 Wir haben vor uns Marrakesch ohne Stress anzuschauen ohne den Druck alles sehen zu müssen. Hast du die Erfahrung gemacht, dass blonde Kinder besonders viel Aufmerksamkeit bekamen oder gar ständig über den Kopf gestrichelt wurde?? Das erzählte mir jetzt jemand und nun mache ich mir insgesamt bisschen Sorgen… LG

    • Ich kann Dich beruhigen, ich habe die Erfahrung nicht gemacht. Egal, wo wir waren, in Marrakesch, Essauira und im Atlasgebirge. Die Menschen sind sehr freundlich zu den Kindern, aber nicht aufdringlich. Und sie sind bei blond 😉
      Ich wünsche Euch eine tolle Reise, genießt es. Viele Grüße, Ines

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    • Cool, es lohnt sich auch für ein paar Tage. 🙂 Ich war auf jeden Fall nicht das letzte Mal in Marokko.
      Viel Spaß bei der Reiseplanung und schau mal wieder vorbei, es kommen noch mehr Beiträge zu Marrakesch, Essaouira und Wandern im Atlas-Gebirge. Liebe Grüße, Ines

  5. Das ist wirklich eine wundervolle Reportage, Ines! Ich habe sie förmlich aufgesaugt mit all den bunten Farben, Gerüchen und Geräuschen.
    Liebe Grüße
    Gela

  6. Ein sehr schöner Bericht, liebe Ines! Diese Farben! Schade, dass man die Grüche nicht in die Nase bekommt…irgendwann komme ich auch mal nach Marrakesch.
    Vielen Dank für die Eindrücke, Uta

    • Vielen Dank Uta. Wahrscheinlich dauert es nicht mehr lange, bis man auch Düfte über den PC verströmen lassen kann.
      Liebe Grüße, Ines

      • …na, das wäre ja manchmal schön, wenn es dufet. Einzeln kann man sich die Gewürze ja vorstellen, aber so viele auf einmal…
        liebe Grüße, Uta

  7. Wow…danke für diesen wundervollen Ausflug in diese farbenfrohe, lebendige Stadt. Es fühlt sich an, als wäre ich nun auch da gewesen. Wunderschön..habe Lust drauf. Weil wir euch ja jetzt schon einiges „nachgemacht“ haben, wird auch Marakesch irgendwann folgen. Hihi. 🙂

    • Unbeding!!! Marrakesch lohnt sich auch für ein verlängertes Wochenende.. Als wir ankamen, hing am Flughafen ein Schild: Wann kommen Janine und Andy? 😉 Ganz liebe Grüße, Ines

  8. Tolle Bilder, toll beschrieben,man hat eine Vorstellung von 1001 Nacht,wenn man die Bilder von den Souks sieht

  9. Wunderbar bunter, reichhaltiger, orientalisch riechender Artikel. Du hast so schön geschrieben, jetzt habe ich Appetit auf Marokko, marokkanische Spezialitäten, etwas Lamm vielleicht – doch es bleibt mir vorerst nur der Tee mit marokkanischer Minze hier im Büro. Ich muss mir mal wieder etwas aus der Tajine kochen.

    • Danke vielmals. Marokkanischer Minztee ist ja sehr lecker, lass ihn Dir schmecken. Viele Grüße, Ines

  10. So schön beschrieben, Ines. Man kann förmlich den Platz mit seinem bunten Treiben sehen und riechen! Und die tollen Fotos…!!
    Jetzt freue ich mich noch viel mehr auf unsere geplante Marokkoreise in ein paar Monaten – danke!
    LG aus dem hohen Norden,
    Hartmut

    • Vielen Dank Hartmut. Ihr könnt Euch wirklich freuen und Ihr habt ja auch etwas mehr Zeit. Liebe Grüße und viel Spaß bei der Reiseplanung. Liebe Grüße, Ines

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