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Corona und das Warten auf die Zeit DANACH. So geht es uns, wie geht es Euch?

Rapsfeld in Brandenburg

Es ist ruhig geworden auf unserem Reiseblog. Der Corona-Alltag hat uns voll im Griff und in den letzen Woche hatte ich wenig Muße, Reiseberichte zu schreiben. Die Idee der weltwunderer, Reiseblogger nach ihrem Alltag, ihren Plänen und Tipps zu befragen, fand ich sehr spannend und deshalb plaudere ich heute aus unserem Corona-Nähkästchen.

Die alte Tradition der Blogstöckchen wurde wieder ausgegraben und jetzt wandert das Stöckchen von einem zum nächsten. Dabei hat jeder Reiseblogger elf Fragen zu beantworten. Lena vom Reiseblog family4travel hat das Blogstöckchen an mich weitergereicht. Vielen Dank dafür. Sie ist eine der ersten Familienreiseblogger, die ich vor ein paar Jahren auf der ITB kennengelernt habe. Sie bloggt über Familienreisen mit Schwerpunkt Deutschland, über ihre elfmonatige Europareise und schreibt Reisebücher.

1. Wie sieht ein normaler Tag derzeit bei euch aus?

Was heißt im Moment schon normal? Als im März die Schulen geschlossen wurden, war ich noch zwei Wochen zu Hause, um Resturlaub abzubauen und konnte mich um alles kümmern: Schule, Mittag kochen, muckernde Technik und das Freizeitprogramm mit Basteln und Sport. Seit dem 1. April habe ich einen neuen Job und bin jeden Tag im Büro. Zwischenzeitlich war der Vater durch die Kurzarbeit öfter zu Hause, jetzt fährt auch er jeden Tag zur Arbeit. Am Nachmittag klären wir dann, was für den nächsten Tag vorbereitet bzw. ausgedruckt werden muss und übernehmen, wie die meisten Eltern, ein Stück weit den Lehrerjob.

Seit Anfang Mai ändert sich unser Ablauf wöchentlich. Der Teenager darf wieder tageweise in die Schule gehen. Wir erfahren rechtzeitig den Stundenplan, wann er zu Hause oder in der Schule ist und welche Fächer in welchem Format unterrichtet werden. Im Präsenzunterricht ist seine Klasse entweder komplett in der Turnhalle untergebracht oder wird in zwei Gruppen aufgeteilt. Egal, welche Unterrichtsform dran ist, ausschlafen ist nicht, denn jeden Tag müssen sich auch die Kinder im homeschooling vor Unterrichtsbeginn als anwesend auf der website registrieren. Alles in allem sind wir mit seiner Schule super zufrieden, denn schon vor Corona hat der Schulleiter an einem Konzept für virtuellen Unterricht gearbeitet und gehört damit zu den Vorreitern in Brandenburg.

Unsere Fünftklässlerin ist glücklich, dass sie seit kurzem wieder mit ihren Freunden in die Schule darf. Das sind zwar täglich nur zwei Stunden, wird langfristig aber auch aufgestockt. Es wird nur Mathe, Deutsch und Englisch von jeweils einer Lehrerin unterrichtet, alles andere läuft weiterhin im homeschooling.

Am Anfang des Lockdowns waren die Kinder super sportlich unterwegs. Sie hatten ihr Fitness-Programm, wir sind nachmittags Rad gefahren, haben Tischtennis oder Federball gespielt, gebastelt und alles Mögliche gemacht. Wir haben viel zusammen gekocht und gebacken, das schaffen wir jetzt leider nicht mehr. Meistens komme ich am späten Nachmittag von der Arbeit und bis Juni habe ich noch zweimal die Woche abends und gelegentlich am Wochenende eine (Online)Fortbildung.

Familienzeit während Corona

Unsere Bastelwerke aus Corona-Zeiten

2. Was ist für euch im neuen Corona-Alltag am schwierigsten?

Am schwierigsten finde ich die Gratwanderung zwischen homeschooling und Arbeit inklusive Unterstützung der Kinder und das Gefühl, nicht genug da sein zu können. In den letzten zwei Wochen kam dazu, dass mir die Kontaktsperre zu meiner Mutter und Freunden gehörig aufs Gemüt geschlagen ist. Wir haben uns an die Regeln gehalten, aber nun wird es für mich (uns) dringend Zeit, alle Lieblingsmenschen nach und nach wiederzusehen. Die Lockerungen kommen genau zum richtigen Zeitpunkt.

3. Habt ihr ein Lieblingsspiel für drinnen oder draußen, das bei euch super funktioniert?

Wir haben das große Glück, einen Garten zu haben. Am liebsten sind wir draußen und spielen zusammen Tischtennis, Federball oder Schwedenschach (KUBB). Am Wochenende machen wir regelmäßig Radtouren und finden immer wieder wunderschöne Ecken, die trotz der Nähe zu Berlin nicht überlaufen sind.

BrandenburgRadfahren in Brandenburg

Wenn wir nicht rausgehen konnten, haben wir gebastelt oder Stadt-Land-Fluss und Uno gespielt. Das sind schon seit Jahren unsere Lieblingsspiele. Corona macht andererseits auch echt kreativ. Weil wir an meinem Geburtstag nicht essen gehen und niemanden einladen konnten, haben die Kinder kurzerhand die Küche zum Restaurant verwandelt, für uns ein leckeres Thaicurry gekocht und wir Eltern durften uns verwöhnen lassen.

Heimrestaurant in Coronazeiten

Heimrestaurant in Corona-Zeiten

4. Welchen Film habt ihr zuletzt alle zusammen gesehen?

Wir sind im Harry Potter-Fieber, d.h. vor allem die Viermal Fernweh-Tochter, deren Bücherliebe wieder enorm aufgeflammt ist. Wenn sie einen Teil ausgelesen hat, sehen wir uns diesen am Wochenende zusammen an. Die Känguru-Chroniken war der letzte gemeinsame Film, den wir außerhalb von Harry Potter gesehen haben.

5. Die Gretchenfrage: Tragt ihr Maske?

Inzwischen stellt sich die Frage eigentlich nicht mehr, denn im ÖPNV und in den Geschäften herrscht Maskenpflicht. Wir haben alle eine Maske und tragen sie, wenn es vorgeschrieben ist.

6. Welche Reise(n) musstet ihr wegen Corona stornieren oder umbuchen?

Wir hatten für dieses Jahr konkrete Pläne. In den Osterferien wollten wir nach Holland fahren, im Sommer nach London und Wales und im Herbst nach Griechenland. Die haben wir logischerweise abgesagt und außer dem Traum, im Herbst vielleicht doch noch nach Hellas zu fahren, sind alle anderen Reisepläne verschoben.

Griechenland

Große Griechenlandsehnsucht

7. Welche Pläne habt ihr aktuell für die Sommerferien?

Das ist für mich die eigentliche Gretchenfrage. Wohin soll es gehen oder besser wohin kann es gehen? Konkrete Pläne haben wir nicht, am liebsten wäre uns eine Ferienwohnung in Deutschland, bis jetzt haben wir noch nicht das Richtige gefunden. Übernachten in einer Jugendherberge wäre auch gut, doch im Moment ist unklar, wann sie wieder öffnen dürfen. Alternativen wären für uns Dänemark, Schweden oder Holland, eine Fewo irgendwo im Nirgendwo mit viel Natur drumherum.

Für die Viermal Fernweh-Tochter haben wir schon lange vor Corona ein Feriencamp – gebucht. Was daraus wird, werden wir sehen. Ich hoffe, dass es stattfindet – eine Paddeltour durch Brandenburg und Mecklenburg bietet doch viel Abstand. 😉

Meine Jungs planen eine mehrtägige Wandertour in den Alpen oder in der Sächsischen Schweiz. Was aus diesen Plänen wird, hängt auch davon ab, ob sie Übernachtungsmöglichkeiten finden.

8. Meint ihr, das ist realistisch?

Ich habe keine Ahnung, ob das realistisch ist. Ich verfolge die Entwicklungen und Lockerungen fast täglich, aber die neuen (alten) Freiheiten können jeden Tag wieder eingeschränkt werden, also stehen all unsere Pläne auf wackeligen Füßen.

9. Reisen innerhalb Deutschlands: Welche Region würdet ihr gern mal erkunden?

Als Küstenkind würde ich gern mal Inseln wie Föhr oder Borkum kennenlernen, aber in diesem Jahr ist das auch keine gute Idee. Ich will schon lange mal in die Lüneburger Heide, die Eifel oder das Allgäu. Den Harz, den Spreewald und die Sächsische Schweiz würde ich gern wiedersehen. Auch in Brandenburg gibt es noch ganz viele Ecken, die ich gern erkunden möchte.

Urlaub mit Kindern_Bastei

Sächsische Schweiz

10. Fernreisen nach Corona – wann wird das wieder möglich sein, und interessiert euch das überhaupt?

Ich denke, dass sich der Tourismus irgendwann erholt, aber gerade Fernreisen werden wohl erst wieder richtig nachgefragt sein, wenn es einen Impfstoff gibt. Und die Aussichten auf Langstreckenflüge mit Maske und ggf. noch Abtrennungen aus Plexiglas machen das Fliegen deutlich unattraktiver.

Fernreisen sind im Moment nicht unser Thema, wir haben eher Europa auf dem Schirm. Wir reisen nur alle paar Jahre in die Ferne und da wir im letzten Jahr unser großes Fernweh in Japan und Malaysia gestillt haben, ist das sicher erst in einigen Jahren wieder ein Thema für uns.

Japan, Tokio 2019

Japan, Tokio 2019

11. Was wird, könnte oder sollte die Corona-Krise in unserer Gesellschaft dauerhaft verändern?

Zu Beginn der Corona-Krise war ich vom Gemeinschaftsgefühl und der Solidarität der Menschen sehr berührt. Im Moment habe ich das Gefühl, dass sich das immer mehr verliert, die Krawallbrüder und Egoisten schreien immer lauter und diejenigen, die besonnen einen Weg durch die Misere suchen, geraten in die Kritik.

Für die Zukunft glaube ich – bei allem Zusammenhalt und Optimismus für eine bessere Welt – dass nach Corona vieles wieder in Vergessenheit gerät. Vielleicht wird es ein bisschen so sein wie jedes Jahr an Silvester. Wir wollen besser und gesünder leben, melden uns im Fitnessstudio an, essen zwei Wochen vegetarisch, aber dann schleicht sich der Schlendrian langsam wieder ein und wir fallen zurück in alte Muster. Ich vermute, dass es mit Corona ähnlich sein wird, leider.

Ich wünsche mir, dass sich die Anerkennung der Menschen nicht verliert, die in all den Wochen den Laden am Laufen gehalten haben. Ob im Einzelhandel, in den Krankenhäusern, in Pflegeeinrichtungen, es gibt so viele, die nicht nur Applaus und Anerkennung verdient haben, sondern auch über Corona hinaus bessere Arbeitsbedingungen, höhere Gehälter und mehr Wertschätzung.

Vielleicht lernen wir aus der Krise mehr als wir im Moment wissen: Wie wichtig es ist, Produkte im eigenen Land herzustellen, mehr Geld in die Bildung (Stichwort Digitalisierung) und das Gesundheitssystem zu investieren, wie wichtig uns der Kontakt mit unseren Familien und Freunden ist und wieviel uns Kultur und Sport bedeuten.

Auch wenn Geschäfte, Restaurants, Museen usw. wieder öffnen dürfen, brauchen viele Unternehmen noch lange unsere Unterstützung. Wenn Ihr in Berlin und Brandenburg wohnt, dann könnt Ihr hier helfen bzw. deutschlandweit die Jugendherbergen unterstützen.

brandenburghelfen.de          helfen-shop.berlin         jugendherberge.de

Solche oder ähnliche Aktionen gibt es bestimmt auch in Eurer Stadt.


Das Blogstöckchen geht weiter …

An dieser Stelle reiche ich das Blogstöckchen weiter, denn das Prinzip funktioniert wie bei einem Staffellauf. Ich bin gespannt, wie der Alltag bei Susanne aussieht, die mit ihrer Familie im Schwarzwald lebt und auf ihrem Reiseblog travelsanne.de am liebsten aus Kanada berichtet.

Hier kommen Deine 11 Fragen zu „Corona und wir.“:

  1. Wie sieht ein normaler Tag derzeit bei euch aus?
  2. Was ist für euch im neuen Corona-Alltag am schwierigsten?
  3. Habt ihr ein Lieblingsspiel für drinnen oder draußen, das bei euch super funktioniert?
  4. Welchen Film habt ihr zuletzt alle zusammen gesehen?
  5. Die Gretchenfrage: Tragt ihr Maske?
  6. Welche Reise(n) musstet ihr wegen Corona stornieren oder umbuchen?
  7. Welche Pläne habt ihr aktuell für die Sommerferien?
  8. Meint ihr, das ist realistisch?
  9. Reisen innerhalb Deutschlands: Welche Region würdet ihr gern mal erkunden?
  10. Fernreisen nach Corona – wann wird das wieder möglich sein, und interessiert euch das überhaupt?
  11. Was wird, könnte oder sollte die Corona-Krise in unserer Gesellschaft dauerhaft verändern?

Noch mehr Berichte von Familien-Reisebloggern, die über ihren Corona-Alltag berichten, findet Ihr hier:


Wie sieht es bei Euch aus? Wie läuft Euer Alltag? Kommen die Lockerungen gerade richtig oder habt Ihr noch Puste? Was habt Ihr für Pläne und wie schaut Ihr in die Zukunft? Ich freue ich über Eure Kommentare.

Bleibt gesund und optimistisch. 

Reisetipps Deutschland

 

 


 

4 Kommentare

  1. Immerhin gehen Deine Kinder täglich 2 Stunden zur Schule. Der Wahnsinn! Unser Großer geht immer noch nicht und unser Grundschulkind einmal die Woche für 2 1/2 Std. Bis zu den Schulferien. Und ich habe echt Sorge wie es danach weitergehen wird. Und wir haben Ostern unseren Harz-Trip gecancelt und im Sommer nun unseren Baltikum Roadtrip. Für den Herbst hatten wir noch keine rechten Pläne und mir scheint, man kann nur noch von einem Tag auf den Nächsten planen. Wir reisen nun im Sommer durch den Osten Deutschlands und bin gespannt wie das wird. Ein bißchen sorge ich mich ja auch um die Rekationen der eigenen Landsleute, wenn die sehen das jemand aus NRW in ihrer Ecke ist. Die Welt ist wirklich schräg geworden. Aber wir müssen halt irgendwie das Beste draus machen. GlG, Nadine

    • Ines sagt

      Liebe Nadine,
      den Baltikum-Trip holt Ihr nach, sobald es wieder geht. Du kennst ja meine Begeisterung für die baltischen Länder, die lässt Du Dir nicht entgehen. 🙂
      Wir planen auch nur noch kurzfristig, anders geht es im Moment ja nicht. Die Lage ist wirklich schräg.
      Ich drücke Dir die Daumen, dass Deine Jungs noch ein bisschen Schule mitkriegen, bei uns gibt es auch schon wieder Änderungen, die Kleine geht ab sofort nur zwei Tage die Woche. Noch vier Wochen, dann fangen bei uns die Ferien an und ich hoffe, dass im neuen Schuljahr wieder Normalität einkehrt.
      Liebe Grüße und Euch einen schönen Sommer. Ines

  2. Judith sagt

    Also wir haben schweren Herzens unseren Süditalien Urlaub für den Sommer abgesagt. Stattdessen werden wir unsere neue Heimat den Schwarzwald erkunden. Auch nicht verkehrt, immerhin fahren hier viele Leute her, um Urlaub zu machen und wir wohnen jetzt hier.
    Ansonsten zerrt das homeschooling schon an meinen Kräften, vor allem mit meinem Pupertier. Bei uns geht die Schule erst wieder nach dem 15. Juni los, da heißt es noch ein wenig aushalten. Und auch dann gibt es ja wie überall nur die Teilzeitschule, dh es wird weiter homeschooling geben.
    Gott sei Dank ging für mich und meine Tochter diese Woche wieder das Reiten los, wenigstens ein kleiner Tapetenwechsel. Mein Sohn wird auf sein DLRG Training wohl noch etwas länger warten dürfen.

    • Ines sagt

      Liebe Judith,
      Italien abzusagen ist echt bitter. Ich hoffe, Ihr könnt die Ferien im Schwarzwald genießen und habt jetzt schon ein paar schöne Stunden beim Reiten. Abstand ist dabei ja ganz sicher gegeben. 😉 Ein Lichtblick für uns ist, dass ab nächster Woche das Training meiner Tochter wieder losgeht, wenn auch anders als gewohnt, aber immerhin etwas.
      Halte noch durch bis zum 15.06. und genießt Eure Ferien in der neuen Heimat. Liebe Grüße, Ines

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