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Auf Zeitreise im DDR Museum Berlin

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Der Duft von Rondo-Kaffee zieht durch die Wohnung. Ich greife in meine Packung Hallorenkugeln und drehe die Kassette in meinem Sternrekorder um. Am Schrank hängt das frisch gebügelte FDJ-Hemd und vor dem Haus parkt der beigefarbene Trabant.

Zugegeben, so sah es in der DDR nicht wirklich aus. Auch in meiner Familie nicht. Wir hatten weder einen Trabant, noch war mein FDJ-Hemd frisch gebügelt. Es sind Klischees, derer ich mich heute bedienen darf, denn wir sind im DDR Museum Berlin unterwegs.

Die Viermal Fernweh-Tochter konnte sich aussuchen, welches Museum sie besuchen möchte und ihre Wahl fällt auf das DDR Museum. 30 Jahre nach dem Mauerfall ist das eine gute Wahl und für eine 10jährige der richtige Zeitpunkt, etwas mehr über das Land zu erfahren, in dem ihre Eltern aufgewachsen sind.

Eine Spritztour mit dem Trabi

Zuerst möchte sie Trabant fahren, davon hat ihr Bruder schon geschwärmt. Den kann man nämlich selbst steuern. Zwar nicht richtig, aber als Fahrsimulation.

Es ist schon lustig, nach so langer Zeit in der „alten Pappe“ zu sitzen. Wir drehen den Zündschlüssel um, der Motor startet dungduggeduggedung und der Zweitakter knattert als würden wir tatsächlich losfahren. Er rührt sich zwar nicht von der Stelle, aber die Tochter fährt durch eine 3D-Plattenbausiedlung und muss ganz schön aufpassen, dass sie keine Mülltonne oder andere Autos rammt. Das macht Spaß und am liebsten möchte sie gar nicht mehr aussteigen.

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Das Motto „Geschichte zum Anfassen“ ist im Museum wörtlich gemeint. In der Ausstellung gibt es zahlreiche Schränke, Regale und Schubladen, die geöffnet werden können. Dahinter verbergen sich Gegenstände zu verschiedenen Themen wie Arbeit, Schule, Kultur, Freizeit, Partei und vieles mehr.

Die Tochter läuft im Zickzack durch die Räume, reißt hier eine Tür auf, zieht dort eine Schublade raus. Manchmal ertönen Geräusche, Musik oder Stimmen.

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Sie setzt sich an den Parteischreibtisch und telefoniert mit der SED-Bezirksleitung. Der Herr Müller ist am Telefon und meldet die aktuellen Versorgungsengpässe. Ganz nebenbei ist ein Telefon mit Wählscheibe schon ein Knaller für sich.

Schöner Wohnen im Plattenbau

Auch die klassische Plattenbau-Wohnung Typ P2 fehlt nicht. Durch einen Fahrstuhl betritt man die Dreizimmer-Neubauwohnung. Auch hier können wir vieles interaktiv entdecken. Im Schlafzimmer „probieren“ wir Klamotten, die im Kleiderschrank hängen, und können uns in einem virtuellen Spiegel bewundern. Im Wohnzimmer wählen wir das Fernsehprogramm aus, wir entscheiden uns für eine ältere Ausgabe der Aktuellen Kamera (die Nachrichtensendung des DDR-Fernsehens).

In der Küche steht alles, was es früher in jeder DDR-Küche gab. Die Eierbecher, der Mixer, im Vorratsschrank die Tempolinsen, Muckefuck, auch der gute Rondo-Kaffee ist da.

Der Kaffee ist fertig

Zum Rondo gibt es eine interessante Geschichte. In den 1970er Jahren wurden Kaffeebohnen auf dem Weltmarkt so teuer, dass der einzige Bohnenkaffe für den normalen DDR-Bürger fast unerschwinglich wurde und die DDR-Oberen den Import schließlich stoppten. Alternativ wurde ein „Kaffee-Mix“ aus allem Möglichen angeboten. Dieser Ersatzkaffee, auch „Erichs Krönung“ genannt, kam bei der Bevölkerung gar nicht gut an. Nach Protesten gab es bald wieder den guten Rondo-Kaffee, der heute noch sehr erfolgreich in Magdeburg hergestellt wird.

Selbst die Bürgel-Krüge dürfen nicht fehlen. Meine Mutter, meine Tanten, meine Oma – alle waren damals ganz versessen auf Bürgel-Keramik.

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Nicht alles ist für eine 10jährige verständlich. Manche Schublade wird wieder geschlossen, wenn sie uninteressant scheint oder sie fragt mich, was es zu bedeuten hat. Gruselig findet sie die Gefängniszelle, aber auch das war die DDR, kein Thema wird hier ausgelassen.

Glücklicherweise habe ich selbst keine schlimmen Erfahrungen, dafür war ich noch etwas zu jung. Eines meiner Familienmitglieder leider schon, eine Anzeige wegen eines angeblich geplanten Fluchtversuches brachte ihr ein halbes Jahr Inhaftierung ein.

Gefängnisszelle im DDR Museum Berlin

Nach gut eineinhalb Stunden verlassen wir das DDR Museum. Highlight der Tochter war die Trabifahrt und die Schreibmaschine. Für mich waren es die vielen Details, die ich längst vergessen hatte. Ein Burattino, der lange in meinem Kinderzimmer saß, ein Hausaufgabenheft und die Erinnerung an das Bruce Springsteen-Konzert in Berlin-Weißensee.

Ich war das zweite Mal im Museum und kann es jedem empfehlen, der sich für die DDR-Geschichte interessiert. Die modernen Touchscreens, Audio- und Mitmachstationen machen das Museum auch für Kinder interessant. In diesem Sammelsurium könnt Ihr Geschichte aktiv erleben – kurzweilig, authentisch und mit allen Facetten, die es in der DDR gab. 30 Jahre nach dem Mauerfall ist ein guter Zeitpunkt, sich zu erinnern.

DDR Museum Tickets / Preise / Öffnungszeiten

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Die Tickets kosten an der Kasse 9,80 EUR für Erwachsene, Kinder ab 6 Jahren zahlen 6,00 EUR und Zwerge bis 6 kommen kostenlos rein.

Am preiswertesten und einfachsten ist es, die Tickets im Internet zu kaufen. Erwachsene kosten 8,50 EUR und Kinder ab 6 Jahren 5,50 Uhr.

Das Museum ist Montag bis Freitag und am Sonntag von 10:00 Uhr bis 20:00 Uhr geöffnet, samstags von 10:00 bis 22:00 Uhr.

DDR Museum Berlin – Anfahrt

Das DDR Museum liegt zentral in Berlin-Mitte an der Spreepromenade. Wenn Ihr von der Karl-Liebknecht-Straße kommt, geht Ihr die Treppen zur Spree runter, dort ist der Eingang. (Auf der gegenüberliegenden Spreeseite ist der Berliner Dom.)

DDR Museum, Karl-Liebknecht-Straße 1, 10178 Berlin
www.ddr-museum.de/de

Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln kommt Ihr wunderbar zum Museum.

S-Bahn bis: S-Bahnhof Hackescher Markt oder S- und U-Bahnhof Alexanderplatz
Bus oder Straßenbahn bis zur Haltestelle Spandauer Straße: Buslinien 100, 200, 248, M48 und den Straßenbahnlinien M4, M5, M6


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12 Kommentare

  1. Ein sehr interessanter Besuch!
    Das Bild vom Wohnzimmer hat mich total an meinen Besuch der Ex-DDR kurz nach der Wende erinnert. Da waren wir im Rahmen eines Wettkampfes bei Leipzig bei einer Gast-Familie untergebracht und da sah wirklich so aus.
    Ist sicherlich sehr toll um seinen Kinder die Geschichte zu erzählen, aber auch um selbst nochmal alles genau zu erfahren.

  2. Liebe Ines,
    das klingt echt spannend, vor allem für mich, die fern der DDR aufgewachsen ist, dort aber Verwandtschaft hat. Da muss ich wirklich mal hin, damit die ganzen Erzählungen endlich mal Gestalt annehmen.
    Allerdings würde ich noch ein paar Jahre warten, denn mit knapp 8 ist es für meinen Sohn wohl noch zu früh.
    Liebe Grüße
    Charnette

    • Ines sagt

      Meine Tochter ist 10 und das ist ein gutes Alter. Für jüngere Kinder wird es trotzdem nicht langweilig, weil es so viel zu entdecken und ausprobieren gibt. Liebe Grüße, Ines

  3. Mist. Wir haben letztens kurz davorgestanden und haben überlegt, aber dann erschien es uns zu sehr „Touri-Retorte“. Offenbar eine fatale Fehlentscheidung. Das Museum kommt sofort auf unseren Berlin-Wunschzettel fürs nächste Mal!

    • Ines sagt

      Liebe Lena, das ist immer Geschmackssache. Ich war schon zweimal im DDR-Museum, erst mit meinem Sohn und jetzt mit meiner Tochter. Beim ersten Mal waren noch Freunde aus Stuttgart dabei. Für die war es super, dass sie mit mir eine Zeitzeugin 😉 hatten.
      Dann auf ein nächstes Mal für Euch. Viele Grüße, Ines

  4. Seid ihr auch mit dem gruseligen Fahrstuhl gefahren? Der war für meine Mädels (neben der Trabifahrt natürlich) das Highlight. Mich hat das Museum auch sehr positiv überrascht, ist ein richtig guter Tipp für Familien!

    LG
    Jenny

    • Ines sagt

      Nein, da sind wir nur durchgelaufen. Die Trabifahrt ist natürlich der Knüller, aber auch die ganzen Türen und Schübe, hinter denen sich etwas versteckt.
      Liebe Grüße, Ines

  5. Liebe Ines,
    ich musste gerade sehr lachen bei den Hallorenkugeln und dem FDJ-Hemd. Also ich hatte bei unseren Besuchen „im Osten“ schon den Eindruck, dass das in Teilen genau so abläuft … 😉
    Auf unseren Entdeckerstorys haben wir übrigens auch eine Geschichte über die Trabi-Safari in Berlin!
    Wir hatten viel Spaß dabei!
    Vielen Dank für diese kleine interessante Zeitreise – kommt jetzt auch mal auf unsere Berlin-Liste!
    Ines-Bianca

    • Ines sagt

      Eine Trabi-Safari klingt super, die werde ich wohl auch noch machen. Ich bin zwar zig Mal mitgefahren und war sogar Mitbesitzerin einer „Pappe“, aber die war hinüber bis ich meinen Führerschein hatte und so saß ich nicht ein einziges Mal selbst am Steuer. :-/
      Liebe Grüße, Ines

  6. Nele sagt

    Hey cooler Tipp. Bin demnächst in Berlin und werde mal das Museum und die Thaiwiese entern. Grüsse aus dem schönen Norden. Nele

  7. Ja das Museum lieben wir auch! Man entdeckt auch immer wieder was interessantes und mit dem älter werden der Kinder wird es auch immer interessanter für sie. Sie sind immer ganz erstaunt wie das Leben so war.

    Lg von da wo in Deutschland zuerst die Sonne aufgeht
    Ina

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