Allgemein, Göteborg, Reisethemen, Reiseziele, Schweden, Zeit zu zweit
Kommentare 16

Göteborgs Schärengarten | Love Affair mit großen Steinen

Schärengarten vor Göteborg

Ich schrei vor Glück und tanze meinen Namen. Ok, ich tue es nicht wirklich, aber ich würde, wenn ich der Typ dafür wäre. Ich bin so unfassbar happy und voller Vorfreude. Ich bin auf dem Weg zu einem meiner Lieblingsorte, den Schären an der schwedischen Westküste.

Heute morgen ist Göteborg in einen dicken Mantel aus grauem Nebel gehüllt. Noch am Hafen lichtet er sich und die Sonne kämpft sich durch die Wolken. Die Fähre legt pünktlich in Saltholmen ab und bringt mich in weniger als 10 Minuten in eine andere Welt. Die blank geschliffenen Felsen spiegeln sich im Meer, die bunten Holzhäuser sehen aus wie Smarties, die wahllos auf die Inselchen geworfen wurden. Die Wellen rollen sich langsam auf, wie ein Stoffballen, der ausgerollt wird. Ein paar Möwen begleiten uns, drehen dann ab, der nächste Fischereihafen ist nicht weit.

Schärenboote ab GöteborgSchärengarten südlich von Göteborg Schäreninsel vor Göteborg

Ich verbringe die gesamte Bootsfahrt an Deck, will keine einzige Schäre verpassen. Die erste Insel, die wir anlaufen heißt Köpstadtsö. Hier war ich vor zig Jahren schon einmal. Damals habe ich mich über die vielen Schubkarren am Hafen gewundert. Heute bin ich schlauer. Es ist die einzige Möglichkeit, Einkäufe nach Hause zu bugsieren, denn für Fahrräder oder andere Gefährte sind die Wege zu schmal und steinig.

Göteborgs Schärengarten AusflugSchärengarten Schweden Ausflug

Nach zwei weiteren Stopps hält die Fähre schon auf der Insel Vrångö. Ich hatte mir extra die Insel mit der längsten Fahrzeit ausgesucht, bin mit der Schnellfähre schon nach 30 Minuten dort.

Eine Übersichtskarte am Hafen zeigt allen Neuankömmlingen, was es auf der Insel zu tun gibt. Ein Mikrozentrum liegt auf der anderen Inselseite mit einem Lebensmittelgeschäft, Kinderspielplatz, Fischerei- und Yachthafen. Wanderwege und Naturlehrpfade verschiedener Längen sind ausgeschildert. Große Teile Vrångös sind Naturschutzgebiet und können nur eingeschränkt besucht werden.

Im Sommer kommen viele Tagesausflügler zum Baden, Paddeln, Wandern und Fahrrad fahren. Wie ich später höre, sollen an einem Tag 4000 Besucher hier gewesen sein. Ich bin fast allein unterwegs.

Ich schlendere über die Insel und genieße die Szenerie. Wenn es irgendwo auf der Welt einen Platz gibt, an dem ich völlig entrückt von allem sein kann, dann hier – auf den Schären. Ich klettere am Hafen auf den Felsen umher und muss unbedingt nach ganz oben zum Utkikken, dem ehemaligen Lotsenaussichtspunkt. Es ist ganz schön glatt, ein bisschen Schnee und Eis sind noch übrig. Die riesigen Steine sehen niemals gleich aus – wie mit Puderzucker bestreut, in Tarnfarben oder glitzernd im Sonnenschein.
Ohne Zeitdruck kann ich meine Zeit auf Vrångö genießen, denn ich bin allein unterwegs. Laufen, Innehalten, Fotografieren, Nase in den Wind halten, dem Kreischen der Möwen lauschen und der Stille.

Schäreninsel Vrangö südlicher Schärengarten GöteborgSchäreninsel Vrangö, südlicher Schärengarten Göteborg Vrångö Göteborger Schärengarten Göteborger Schärengarten MuschelSchäreninsel Vrangö, südlicher Schärengarten GöteborgSchäreninsel Vrangö Utkikken AussichtspunktGöteborgs Schärengarten, Insel VrangöGöteborgs Schärengarten, Insel Vrangö Göteborgs Schärengarten, Insel Vrangö

So langsam habe ich Lust auf einen Kaffee. Ich steuere den kleinen Minimarkt am Fischereihafen an, denn das Café ist noch geschlossen. Mist, ich bin zu spät. Der Laden hat seit fünf Minuten Mittagspause. Ich schaue auf die Uhr, nochmal Mist. Die nächste Fähre schaffe ich nicht mehr, das heißt eine Stunde warten.

Zurück am Fährhafen setze ich mich in die Sonne. Es ist frühlingshaft mild, ganz anders als in Göteborg.
Zu mir gesellt sich ein älterer Herr und wir kommen ins Gespräch. Sein Englisch ist nicht mehr so gut, also muss ich mein noch schlechteres Schwedisch rauskramen. Er erzählt mir vom Leben auf den Schären. Voller Begeisterung spricht er von diesen schönen Inseln und Inselchen. Er lebt gern hier. Ich frage ihn, wie das ganze Zeug auf die Insel kommt, angefangen von Blumenerde über Baumaterial bis hin zu Möbeln. Er sagt, dass die Personenfähren bis spät in die Nacht fahren (für kleinere Einkäufe) und dass es für größere Transporte Frachtfähren gibt. Prompt kommt eine und lädt einen Berg Steine ab. Da die Inseln autofrei sind, transportieren die Bewohner ihre Einkäufe entweder mit Schubkarren oder einem Lastenmoped. Er lädt mich auf eine Proberunde mit seinem Moped ein.

Schärenküste Göteborg LastenmopedSchärenküste Göteborg Lastenmoped

Die Fähre kommt und wir verabschieden uns. Als sie anlegt, übergibt ihm der Matrose eine Tüte. Ich weiß, was drin ist. Blumen für seine Frau, die die Kinder von der Nachbarinsel Donsö verschickt haben. Heute ist Valentinstag. Das nenne ich eine coole Transportkette, ganz ohne Amazon & Co.

Beseelt von der schönen Landschaft fahre ich zurück nach Göteborg. Auf der Rückfahrt genieße ich ein letztes Mal den Blick auf die blank geputzten Felsen. Danke Ihr lieben Schäreninseln, Euch habe ich einen grandiosen Tag zu verdanken.

Schweden, Schären Göteborg

Wie kommt Ihr in den Schärengarten?

Vom Göteborger Stadtzentrum fahrt Ihr mit der Straßenbahnlinie 11 (im Sommer auch Linie 9) bis nach Saltholmen. Die Fahrzeit beträgt ca. 30 Minuten. Die Schärendampfer fahren vom Fährterminal Salthomen ab. Die Abfahrten sind gut ausgeschildert. Am schnellsten ist die Insel Asperö zu erreichen (15 Minuten), am weitesten entfernt ist Vrångö (1 Stunde oder mit der Schnellfähre 30 Minuten).

Zum südlichen Schärengarten Göteborgs gehören etwa 15 Inseln. Die bekanntesten sind Asperö, Styrsö, Vargö und Vrångö, die südlichste Insel des Archipels. Etwa 4.500 Einwohnern leben hier ganzjährig , in den Sommermonaten kann sich die Zahl verdoppeln bis verdreifachen.

Göteborg Hafen Saltholmen Schärenboote

Fahrscheine für die Schärenboote bekommt Ihr am Kiosk, bei Seven Eleven oder im Pressbyrån. Sie gelten sowohl für Straßenbahen, Bus und Fähren. Es lohnt sich, eine Tageskarte zu kaufen. Sie kostet 90,00 SEK, ein Einzelfahrschein 29,00 SEK.

Fahrpläne gibt es in der Touristinformation, am Hafen oder im Internet. vasttrafik.se

Tipps: Je nachdem zu welcher Jahreszeit Ihr auf die Schären fahrt, nehmt Euch Verpflegung mit. Auf einigen Inseln gibt es weder einen Supermarkt noch ein Cafè.
Das An- und Ablegemanöver geht sehr schnell. Egal, ob Ihr an Bord oder an Land seid, hier ist Eile geboten.


Wart Ihr schon einmal auf/in den Schären? Wie findet Ihr es dort? Falls Ihr auch Fans dieser rauen Landschaft seid, gibt es hier noch eine ordentliche Portion Schären-Nachschlag:



Dir gefällt, was Du liest? Dann lass einen Kommentar da. Ich freue mich auch über Likes oder das Teilen des Beitrages.


Nachtrag: Mit diesem Artikel nehme ich an der Blogparade von Gela zum Thema Trauminseln und Inselträume teil. Für noch mehr Inselglück hüpft mal rüber zu unterwegs mit kind Blogparade Trauminseln und Inselträume.

16 Kommentare

  1. Wow, da fehlen mir die Worte. Atemberaubende Bilder hast du gemacht und einen tollen Text geschrieben. Ich kann deine Begeisterung nur teilen. Vor einigen Jahren war ich auch in Stockholm und bin auf die Insel Grinda gefahren. Ein kleines Paradies! Vielen Dank für den tollen Bericht! Liebe Grüße Julia

    • Ines sagt

      Leicht errötet sage ich herzlichen Dank. 😊
      Stockholm ist ja auch ein Träumchen, eigentlich alle Schäreninseln. Liebe Grüße

  2. Mein Gott wie schön geschrieben. Mein Herz hüpft. Ich denke grade zurück an meine Zeit in Schweden. Die Schärenfahrt mit dem grossen Boot, dann ne Fika….ach seufzz.
    Danke für’s erinnern lassen <3

    • Ines sagt

      Liebe Doris, vielen Dank für Deine lieben Worte. Schön, dass es nicht nur mir so geht. Liebe Grüße, Ines

  3. Pingback: Inselhüpfen auf schwedisch | mit dem Postboot in die Schären Västerviks

  4. Pingback: Ein Tipp für Familien - Das ABBA-Museum Stockholm

  5. Liebe Ines,
    schön, dass du mit diesem Beitrag noch mitmachst bei der Blogparade. Vielen Dank dafür! Die Bilder haben mich gleich fasziniert. Sie strahlen eine Atmosphäre aus, die ich gern mal selbst erleben möchte. Ob ich dann auch das Glück habe, ein Lastenmoped probefahren zu dürfen? Ich kann allerdings gar kein Schwedisch 😉
    Liebe Grüße
    Gela

  6. Anne sagt

    Hallo Ines, wunderschöne Bilder,herrliche Farben.Ich kann nachvollziehen wie gut es Dir gefallen hat

  7. Lieben Ines, vielen Dank für´s Verlinken und natürlich die wunderbaren Fotos! Die Ostsee sieht ja aus wie ein Seidentuch. Noch schöner, als ich es mir vorgestellt hatte (und ich hatte es mir sehr, sehr, sehr schön vorgestellt). Liebe Grüße, Stefanie

    • Ines sagt

      Ich danke Dir und auf Deinen schönen Blog verlinke ich immer gern. Liebe Grüße, Ines

  8. Hej Ines, ich kann deine Begeisterung zu 110% verstehen – ich liebe die westschwedischen Schären, Bohuslän. Bin jedesmal so verzaubert und kann überhaupt nicht verstehen, dass es irgendwen gibt, der mit den „ganzen Steinen“ nichts anfangen kann 🙂 . Schön zu lesen, dass man auch von Göteborg aus so bequem einen Ausflug in die Schärenwelt machen kann. Ich kenne ja auch die finnischen Schären und Åland… ebenfalls sehr schön, aber doch irgendwie anders. In Westschweden ist das Schöne, dass man so wunderbar auf den Schären wandern kann und fast überall fantastische Aussichten hat, weil die Höhenunterschiede recht groß sind und keine Bäume die Sicht versperren.

    • Ines sagt

      Das freut mich, dass mich nicht alle für verrückt erklären, weil ich auf diese Steine abfahren. Hej hej und viele Grüße, Ines

  9. Tolle Bilder, Ines! Und ich freue mich so sehr für dich, dass du Glück mit dem Wetter hattest, was an der Westküste ja nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit ist – vor allem zu dieser Jahreszeit!
    Dein Treffen mit dem älteren Herren… einfach schön! Und mit nem Lattenmoped würde ich auch gerne mal fahren…
    LG
    Hartmut

    PS: Und Danke fürs Verlinken! 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.