Allgemein, Georgien, Home, Reisewünsche, Reiseziele, Wanderlust
Kommentare 12

Georgien | Die Mondlandschaft von Davit Gareja und ein hippes Café am Ende der Welt

Georgien, Davit Gareja

Wir nähern uns der Grenze zu Aserbaidschan. Seit zwei Stunden sind wir unterwegs, so langsam können wir ankommen. Mir tut inzwischen jeder Knochen weh. Gefühlt fahren wir die Hälfte der Zeit über Schotterpisten. Es schüttelt, holpert und wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich nichts.

Wir sind auf dem Weg zu den Höhlenklöstern von Davit Gareja am Berg Udabno. Auf der Karte sieht es nicht weit aus. Von Tbilisi sind es nur ca. 70 Kilometer, doch die Strecke zieht sich wie Kaugummi in die Länge. Nachdem wir die Hauptstraße verlassen haben, fahren wir auf Sandpisten und weichen slalomartig den Schlaglöchern aus.

Die Landschaft verändert sich zunehmend. Normalerweise ist es karg, karger, megakarg und die Steppe zeigt sich in braun und beige. Jetzt im Frühling ist sie von einem frischen Grün überzogen.

Georgien, auf dem Weg nach Davit GarejaGeorgien, Davit GarejaDavit Gareja, Georgien

Als wir in Davit Gareja ankommen, stehen nur zwei Autos hier. Das Lavra-Kloster, das sich direkt vor uns befindet, heben wir uns für später auf. Zuerst wollen wir den Berg bezwingen und die Überreste des Klosters Udabno sehen.

Wandern in Davit Gareja

Der Weg ist schmal und steil. Immer wieder verliert er sich und ist zugewachsen. Nach 45 Minuten erreichen wir den Bergkamm des Udabno. Übersetzt bedeutet Udabno ~unwirtliches Land oder Wüste~. Von hier oben haben wir einen fantastischen Blick auf die wellenförmige Landschaft und das Kloster.

Davit Gareja, Georgien, Blick auf die HöhlenDavit Gareja, Blick vom Udabno

Auf der anderen Bergseite stehen wir mit einem Fuß in Aserbaidschan. Der Weg führt direkt an der Grenze entlang. Auf dieser Seite des Berges ist der Wind so heftig, dass ich Sorge habe, die Viermal Fernweh-Tochter wird weggeweht. Der Pfad ist an vielen Stellen sehr schmal, dass eine kleine Unachtsamkeit oder eine heftige Böe ausreichen würde, um von ihm abzukommen.

Georgien mit Kindern, Wandern in Davit GarejaGeorgien, Davit Gareja mit Blick auf AserbaidschanDavit Gareja, Blick auf Aserbaidschan

Auf dieser Seite des Berges liegen die Udabno-Höhlen. Sie wurden von Mönchen in den Sandstein geschlagen. In dieser Abgeschiedenheit konnten sie in völliger Askese nahe bei Gott leben. Es entstand ein kleiner Klosterkomplex mit Schlafstellen, Kapellen und Kochstelle. Die bunten Fresken sind teilweise noch gut erhalten.

Wie aus dem Nichts tauchen zwei aserbaidschanische Grenzsoldaten auf. Sie tragen Tarnkleidung und sind mit MG`s bewaffnet, lassen uns aber unbehelligt unseren Weg fortsetzen. Puhh, man weiß ja nie. Vor einigen Jahren gab es hier einen Konflikt um das karge Land.

Davit Gareja, Höhlenkloster, Georgien

Nach den Höhlen geht es wieder bergauf. Bevor wir die aserbaidschanische Seite verlassen, genießen wir noch einmal den Blick auf die Halbwüste.

Georgien, Wandern mit Kindern in David GarejaGeorgien, Davit Gareja WanderungGeorgien, Landschaft Dawit Gareja

Das Lavra-Kloster

Das Lavra-Kloster liegt im Tal nahe des Parkplatzes. Ihr könnt nur einen Teil der Anlage besichtigen, da sie von Mönchen bewohnt wird. Die Gründung des Klosters geht bis ins 6. Jahrhundert zurück als Dawit, einer der 13 Syrischen Väter, sich hier niederließ. Zu sehen sind z.B. die Höhlen (von außen), die Wehrmauer und eine kleine Kapelle. Aus der haben wir uns schnell zurückgezogen, da wir mitten in einen Gottesdienst reingeplatzt sind.

Dawit Gareja ist die älteste Klosteranlage Georgiens und steht auf der Vorschlagsliste zum UNESCO-Welterbe.

Davit Gareja, Udabno, GeorgienDawit Gareja, GeorgienDavit Gareja Lavra-Kloster, GeorgienGeorgien, Davit Gareja Lavra-Kloster und HöhlenwohnungenGeorgien, Kloster Davit Gareja Höhlenwohnungen

Was anfangs wie ein Spaziergang aussieht, entpuppt sich als handfeste Wanderung. Wir waren über drei Stunden unterwegs. Die Kinder haben nicht einmal gemault, ganz im Gegenteil, sie fanden die Tour richtig cool.

Wenn Ihr Einsamkeit, Weite und eine beeindruckende Landschaft zusammen erleben wollt, dann seid Ihr in Davit Gareja richtig. Für mich war dieser Tag eines der nachhaltigsten Erlebnisse unserer Georgien-Reise.

Nicht nur die Klöster und Höhlen sind beeindruckend, auch diese unbeschreibliche Landschaft mit den zarten Vorboten des Frühlings.

Davit Gareja im Frühling, Georgien

Oasis Club – ein hippes Café am Ende der Welt

Auf dem Rückweg halten wir in Udabno, einem Ort mitten im Nichts. Viele Bewohner haben das Dorf in den letzten Jahren verlassen. Hier sagen sich wirklich Fuchs und Hase gute Nacht. Kehrt Ihr jedoch in den Oasis Club ein, seid Ihr in einer anderen Welt. Als wir den kleinen Gastraum betreten schlägt uns wohlige Wärme entgegen. Das Feuer bullert im Ofen. Die wenigen Plätze sind voll besetzt und wir hören alle möglichen Sprachen. Im Hintergrund läuft chillige Musik. Die Gastgeber quetschen uns noch zwischen Franzosen, Schweizer und Chinesen. Die Atmosphäre ist eng-gemütlich, international und das Essen lecker. Gekocht wird georgisch-polnisch.

Der Oasis Club wird von zwei jungen Polen betrieben, die auch Zimmer + kleine Holzhütten vermieten und gelegentlich Konzerte veranstalten. Falls Ihr länger bleiben wollt, könnt Ihr Fahrräder ausleihen, reiten oder wandern gehen. Bilder, Infos und Übernachtungspreise findet Ihr hier: Oasis Club.

Georgien Udabno Oasis ClubGeorgien Udabno, Oasis ClubGeorgien Udabno, Oasis Club

Tipps für Davit Gareja

Hinkommen

Davit Gareja liegt in der Provinz Kachetien. Von Tbilisi könnt Ihr bequem eine Tagestour unternehmen. Die Fahrt dauert ca. 2,5 Stunden (eine Strecke), insgesamt sollte Ihr ca. 7 bis 8 Stunden einplanen. Nach Davit Gareja kommt Ihr entweder mit dem Taxi oder mit einer Agentur, z.B. Georgia Insight. Maschrutkas verkehren von Tbilis nicht (Stand 04/2018).

Vor Ort

Am Parkplatz gibt es Toiletten und einen Souvenirshop, in dem Ikonen, Andenken und Wasser verkauft werden.

Da die Klöster bewohnt sind, solltet Ihr auf angemessene Kleidung achten. Männer müssen lange Hosen und Frauen ein Kopftuch tragen. Tücher könnt Ihr vor Ort ausleihen.

Mitnehmen

Ihr braucht in jedem Fall gute Schuhe und je nach Jahreszeit eine Mütze bzw. Sonnenschutz. Wir waren im Frühling unterwegs, während der Wanderung war es extrem windig und am Kloster brannte die Sonne mittags ordentlich.

Nehmt Euch genug Wasser und Proviant mit, es gibt weit und breit nichts zu kaufen. Der Souvenirshop hat keine festen Öffnungszeiten.


Noch mehr Reiseberichte aus Georgien


Offenlegung: Die Reise wurde von Georgia Insight unterstützt. Herzlichen Dank dafür. Meine Meinung bleibt davon unberührt und meine Begeisterung ist so oder so riesig.

12 Kommentare

    • Georgien ist auch einfach toll. Wir wollen gern noch einmal zurück und dann mit mehr Zeit. Liebe Grüße, Ines

  1. Alexandra sagt

    Zum 2. Mal! Ich buche zum 2. Mal nachdem ich einen Artikel von dir gelesen habe (das letzte Mal Südafrika). Es sollte wohl so sein. 2 Freunde haben mir sofort berichtet, dass Georgien wunderschön ist und es sich schon wegen des Essens lohnt. Der Plan geriet wieder in den Hintergrund meines „Daily Businesses“, nachdem ich es in der ersten Euphorie zeitlich nicht geschafft hatte zu buchen. Und was passiert gestern?!: Über Blablacar nehmen wir 2 supernette Mädels mit und woher kommen sie? Aus Georgien. Noch einmal viel erfahren, Tipps bekommen und natürlich die Empfehlung erhalten, unbedingt hinzufliegen. Voilà, erledigt, Tickets sind gebucht!!

    • Wow, das nenne ich spontan. Ich wünsche Dir viel Spaß in Georgien und natürlich freue ich mich, wenn mein Reiseblog auch zum Reisen animiert. 😉 Liebe Grüße, Ines

  2. Coole Tour, Georgien hatte ich gerade gar nicht auf dem Schirm, erst recht nicht mit Kindern. VG Kai

    • Vielen Dank 🙂 Ich habe es ja schon geschrieben, die Kinder waren von Georgien total begeistert und würden gern noch einmal hinfahren. Liebe Grüße, Ines

  3. Pingback: Georgien | Wandern am Kasbegi | Reiseblog Viermal Fernweh

  4. Pingback: Tbilisi oder Tiflis? Eine Liaison mit Georgiens Hauptstadt | Reiseblog Viermal Fernweh

  5. sieht wirklich aus wie am Ende der Welt aber so ein Blick über die weite Landschaft läßt die Strapazen des Aufstiegs vergessen

    • Davit Gareja war wirklich der Hammer. Die Wanderung, die Landschaft, die Klöster, alles war perfekt. Liebe Grüße, Ines

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.