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Japan Teil 2 | Schöner schlafen im Ryokan und hungrig in Hakone

Hakone, Torii am Ufer des Ashi-Sees (Japan)

Hungrig in Japan? Geht das? Alle schwärmen doch von der fantastischen, gesunden japanischen Küche, erst recht, wenn man in einem traditionellen Ryokan wohnt. Aber was, wenn man keinen rohen Fisch isst und Alternativen kaum vorhanden sind? Hungern oder Ausprobieren, das ist hier die Frage.

Hakone ist die zweite Station unserer Japan-Reise. Nach einem super Einstieg in Tokio, kommt jetzt das totale Kontrastprogramm. Hakone ist klein, ländlich und ein beliebtes Ausflugsziel der Großstädter. Die Gegend ist bekannt für zahlreiche Onsen (Thermalbäder), viel Natur, Schwefelquellen und einer sensationellen Aussicht auf den Fuji.

Hakone liegt ca. 80 Kilometer westlich von Tokio, mit dem Shinkansen ist man in 1,5 Stunden dort. Die Fahrt war gleichzeitig unsere Zug-Premiere.
Am Hauptbahnhof Tokio steigt der Stresspegel kurzzeitig an, denn es ist Samstag und ich fühle mich wie in einem Wimmelbuch. Nach einigen Irrwegen finden wir den richtigen Bahnsteig und sind in genau in diesem Augenblick Fans des japanischen Bahnverkehrs. Am Gleis sind die Wagennummern eingezeichnet, die Bahn hält auf den Zentimeter genau an dieser Stelle. Im Shinkansen ist es sauber, ruhig und regelmäßig kommt ein Bahnmitarbeiter durch unser Abteil, der sich verbeugt, bevor er es wieder verlässt. Wir sind begeistert.

Shinkansen in JapanJapan, Shinkansen fahren

Pünktlich kommen wir in Odawara an. Dort steigen wir in einen Bummelzug um und fahren noch einmal 20 Minuten nach Hakone-Yumoto.

Übernachten im Ryokan

In Hakone wohnen wir in einem Ryokan, einem traditionellen Gasthaus im japanischen Stil. Diese sind in der Regel familiengeführt und unterscheiden sich deutlich von einem normalen Hotel.

Als wir unser Ryokan betreten, heißt es Schuhe aus. Sie werden am Eingang abgegeben und dann in einem Schuhregal verstaut. Die Gäste bekommen stattdessen ein Paar geta (Holzsandalen).

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Wir werden in unser Zimmer begleitet und im Eingangsbereich heißt es, geta ausziehen, denn auf Tatami-Matten läuft man nie mit Pantoffeln. Ein Glück, denn wir können nicht wirklich in den Holzschlappen laufen.
Zimmer trifft unsere Unterkunft nicht ganz. Wir haben einen großen Wohn-Schlafraum, einen kleinen Nebenraum mit Kühlschrank + ein paar Küchenutensilien und ein WC.  Die Räume sind traditionell mit Tatami-Matten ausgelegt. In unserem Wohnraum befinden sich ein niedriger Tisch und zwei Sitzkissen, die beiden Sessel dienen eher als Kleiderständer.

Trotz aller Tradition haben wir einen Fernseher, W-Lan, Klimaanlage, einen Wasserkocher und eine beheizte Klobrille. Ein richtiges Bad ist im Ryokan eher selten, meistens gibt es Gemeinschaftsbäder.

Statt in Betten schlafen wir auf Futons. Es ist wie ein Ritual, jeden Abend wird der Tisch beiseite geschoben, Futons aus den Wandschränken geholt und Betten gebaut. Am Morgen geht alles wieder retour, sodass Tisch und Sitzkissen fürs Frühstück wieder bereitstehen.

Heiß gebadet im Onsen

Hakone ist bekannt für die vielen Onsen und ich vermute, dass jedes Ryokan hauseigene Onsen hat. Das sind Thermalbäder, deren Wasser aus natürlichen heißen Quellen stammt. Es soll durch die vielen Mineralien gesundheitsfördernd sein.

Am ersten Abend (am zweiten auch) entspannen wir im Onsen. Wir haben Glück, dass wir gemeinsam ins Privatbad dürfen, denn die”normalen” Bäder sind strikt nach Männlein und Weiblein getrennt und der Viermal Fernweh-Sohn geht nicht mehr als Kind durch.

Im Onsen gibt es klare Regeln, die z.B. besagen, dass Besucher mit Tätowierungen nicht eingelassen werden. In einem Privat- oder Familienbad dürfte das kein Problem sein, da niemand Einblick hat. Einen Blick ins Onsen kann ich Euch leider nicht bieten, meine Kamera war in dem Moment beschlagen als ich es betreten habe. Es war viel zu heiß für das gute Stück.

Eigens für den Onsen-Besuch bekamen wir Yukata. Das ist ein leichter Kimono aus Baumwolle, in dem man vom Zimmer in den Onsen geht. Wir haben in Hakone auch abends auf der Straße ein paar Leute im Yukata gesehen.

Ryokan Hakone, Japan

Wohnraum im Ryokan in Hakone

Ryokan Hakone, Japan

Abends werden Futons aus den Wandschränken geholt und im Zimmer ausgelegt.

Ryokan Hankone, Japan

Erst Matcha-Tee, dann geht es im Yukata ins Onsen.

Essen im Ryokan

Wenn Ihr in einem Ryokan übernachtet, ist das Frühstück eigentlich immer inklusive. Da es in unserem Ort nur sehr wenige Restaurants gibt, haben wir auch das Abendessen gebucht. Ein Fehler, wie sich später rausstellt.
In unserem Ryokan wird das Essen im Zimmer serviert, nachdem die Matratzen und Bettdecken wieder in den Wandschränken verschwunden sind.

Mir war schon klar, dass das Frühstück im Ryokan nicht aus Toast und Kaffee besteht. Wir sind hier schließlich in einer waschechten japanischen Herberge. Dass aber roher Fisch in verschiedenen Variationen serviert wird und auch der Reis mit Fisch gespickt ist, hat meinen Magen doch überfordert. Ich bin kein schwieriger Fall beim Essen, doch hier wurde essen für mich schwierig. Und nicht nur für mich. Mein Sohn, der ein ziemlich guter Koch ist und alles probiert, was man ihm vorsetzt, kam ebenfalls an seine Grenzen.

Von Freunden hatte ich gehört, dass sie in ihrem Ryokan immer eine Kochplatte hatten, auf der sie den rohen Fisch brutzeln konnten. Die Glücklichen. Die Welt hätte für uns ganz anders ausgesehen, wenn wir so ein Teil gehabt hätten.

Roher Fisch, Miso-Suppe, eingelegter Tofu oder Gemüse standen überwiegend auf unserem Tisch. Dass man irgendwas nicht mag, kann passieren, doch hier gab es nur sehr sehr wenig, das wir wirklich mochten. Für uns ein echtes Problem, die liebevoll angerichteten Speisen zum Teil wieder zurückgehen zu lassen. Wir haben uns total mies gefühlt. Obwohl ich darum gebeten habe, keinen Fisch mehr zu bringen, steht er täglich wieder da und schaut uns Essensverweigerer vorwurfsvoll an.

Logischerweise haben uns die Bäuche geknurrt, denn von ein bisschen Tofu und Salat wird der Mensch nicht satt. Glücklicherweise gibt es auch im kleinsten Ort einen 7-Eleven-Supermarkt, unsere Rettung.

Ryokan_Essen

Rund um Hakone

Nach Hakone sind wir nicht nur wegen des tollen Ryokans gekommen, wir wollten auch den spektakulären Fuji sehen. Vom Ashi-See gibt es eine großartige Perspektive auf Japans höchsten Berg inklusive Spiegelbild im See. Die hat man allerdings nur bei gutem Wetter.

Wir sind bei grauem Nieselwetter unterwegs, also keine Spur vom Fuji, nur ein dicker Wolkenvorhang. Wir machen uns in Moto-Hakone auf den Weg zum Hakone-jinja Shrine mit dem berühmten roten Tori am See.

 

Hakone National Park, JapanAm Ahsi-See Hakone, JapanHakone, JapanAshi-See Hakone, ToriiHakone, Torii Ashi Für ein Foto steht Ihr schätzungsweise 30 Minuten an. Wir haben uns das geschenkt und einen Wechsel der “Models” für ein Foto ohne Touristenschlange genutzt.

Hakone-jinja Shrine, JapanHakone-jinja Shrine, JapanHakone-jinja Shrine

Bevor wir in Moto-Hakone an Bord eines Piratenschiffes gehen, suchen wir uns noch ein Bistro und schlagen uns die Bäuche voll. Wir wissen ja nicht, was heute Abend auf dem Speiseplan steht.

Von der Bootsanlegestelle fahren ca. alle 20 – 30 Minute Boote über den sieben Kilometer langen See nach Togendai.

Ashi-See, Japan

Ausflugsboote auf dem Ashi-See.

Hakone, Torii am Ufer des Ashi-Sees (Japan)

Das Torii am Ashi-See, eines der beliebtesten Fotomotive in der Hakone-Region.

Ashi-See, Richtung Fujii (Japan)Wenn Ihr das Bild genau anschaut, seht Ihr ganz hinten unter den Wolken den Umriss des Fuji.

Auf dem See reden wir uns ein, direkt vor uns den Fuji zu sehen. Ein bisschen enttäuscht sind wir schon, dass er sich so ziert. Noch enttäuschter sind wir auf der anderen Seeseite in Togendai. Statt mit der Seilbahn über das brodelnde Tal von Owakudani zu schweben, geht es für uns mit dem Bus weiter. Die Seilbahn ist wegen vulkanischen Aktivitäten gesperrt. Schade, so konnten wir die dampfenden Krater nicht von oben sehen und kein echtes kuro-tamago (schwarzes Ei) probieren. Ihnen wird nachgesagt, dass sie das Leben um sieben Jahre verlängern.

Also nehmen wir den Bus und dann noch einmal eine Standseilbahn. Mit einer Bimmelbahn machen wir die komplette Runde bis nach Hakone-Yumoto.

Diese Tour könnt Ihr auch als Tagesausflug von Tokio unternehmen, dann solltet Ihr allerdings früh in Hakone sein, denn die ganze Runde mit Bus, Boot und Seilbahn dauert ein paar Stunden. Ich bin froh, dass wir uns entschieden haben, zwei Tage zu bleiben. Einmal außerhalb der Millionenstädte zu sein und in einem Ryokan zu wohnen, das war etwas ganz Besonderes. (Auch wenn ab und zu mal der Magen geknurrt hat.)


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